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Prof. Dr. Robert Theiler

Nützt Physiotherapie bei Kniearthrose?

Juli 6, 2020 By Prof. Dr. Robert Theiler Leave a Comment

Newsletter 38

Hintergrund: Der Stellenwert einer Physiotherapie im Vergleich zu einer Injektionsbehandlung mit Kortison bei Kniearthrosen ist nicht klar. Amerikanische Forscher von 2 Armeespitäler wollten diese Frage in einer einjährigen Studie bei Patienten mit Kniearthrosen klären.

Methode: Patienten mit Kniearthrose an einem oder beiden Knien wurden in die Studie eingeschlossen. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 entweder in die Injektions-Gruppe oder in die Physiotherapie-Gruppe eingeschlossen. Als Outcome Parameter wurde über ein Jahr der sogenannte WOMAC Index gemessen. Dieser Index misst Schmerzen, Steifigkeit und Schwierigkeiten im Alltag mit 24 Fragen. Als weiterer Outcomeparameter wurde der Timed up and go Test und der Alternate Step Test gemessen.

Resultate: 156 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren konnten eingeschlossen werden. Die Patientencharakteristika beider Gruppen waren vergleichbar. Zu Beginn der Studie war der WOMAC Score 108 +/- 47 in der Kortison Injektions-Gruppe und 107 +/- 42 in der Physiotherapie Gruppe. Während der Studie erhielten die Patienten in der Injektions Gruppe durchschnittlich 2.6 Injektionen. Die Patienten in der Physiotherapie Gruppe wurden im Durchschnitt 12 Mal behandelt. Die Behandlungen bestanden aus passiven und aktiven Massnahmen mit Instruktion zur Selbstbehandlung. 18% der Injektionsgruppe erhielten Physiotherapie und und 9 % der Physiotherapie Gruppe erhielten eine Injektion. Nach einem Jahr war der Durchschnittswert in der Injektionsgruppe 55 und in der Physiotherapie Gruppe 37. (Gruppendifferenz 18.8 Punkte und 95% Konfidenzintervall 5-32). Diese Resultate begünstigen die Physiotherapie Gruppe. Die sekundären Outcomeparameter zeigten eine ähnliche Tendenz zu Gunsten der Physiotherapie  (1).

Schlussfolgerung: Nicht-operative Massnahmen wie eine gezielte Physiotherapie verbunden mit einer Instruktions- und Heimtherapie können bei Kniearthrose eine Verbesserung des Beschwerdebildes erbringen. Gezielte Injektionen mit Kortison werden meistens bei sogenannten aktivierten Kniearthrosen eingesetzt und ergänzen die physiotherapeutische Behandlung.

1)Deyle GD et al Physical therapy vs glucocorticoid injection for osteoarthritis of the knee.

N Engl J Med 2020 Apr 9;382: 1420

Filed Under: Kniearthrose

Wieviele Schritte pro Tag verlängern mein Leben?

Juni 5, 2020 By Prof. Dr. Robert Theiler Leave a Comment

Newsletter 37

Hintergrund: Es gibt bereits einige Studien, die besagen, dass sich eine körperliche Aktivität günstig auf die Lebensqualität auswirken kann. Die genaue Anzahl der täglichen Schritte, die sich günstig auf eine verringerte Sterblichkeit auswirkt,war jedoch unklar.

Ziele: In dieser amerikanischen Studie versuchten Forscher herauszufinden, wie sich die Anzahl Schritte und die Schrittintensität ( Schritte pro Minute) auf die Sterblichkeit auswirken kann.

Methode: Die Studie wurde als Teil einer nationalen Gesundheitsbeobachtungsstudie durchgeführt. Dabei nahmen 4840 Erwachsene, die älter als 40 Jahre waren, teil. Sie mussten dazu  während 6 Tagen für 14 Stunden pro Tag einen Schrittmesser (Accelerometer) tragen.

Resultate: Im Laufe der Beobachtungsperiode von 10 Jahren ereigneten sich 1165 Todesfälle. Dabei zeigte sich, dass Personen, die mehr als 12000 Schritte pro Tag durchführten eine deutlich tiefere Sterblichkeit aufwiesen ( 5 gegenüber 77 pro 1000 Personenjahre). Nach Korrektur für verschiedene demographische und klinische Variabeln war die Risikoreduktion von Teilnehmern, die mehr als 12000 Schritte pro Tag durchführten immer noch 65 % (Hazard ratio 0.35) Das Muster blieb gleich auch bei spezifischen Krankheiten wie cardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebs.

Hingegen war die grössere Schrittintensität nicht signifikant mit einer tieferen Sterblichkeit verbunden (1).

Schlussfolgerung: Es bleibt dabei. Gehen ist gesund, solange kein Sturz stattfindet. Dabei sollten wenn möglich 12000 Schritt pro Tag durchgeführt werden. Für ältere Patienten sind mindestens 3 Spaziergänge a 20 Minuten pro Woche empfohlen. Diese Aktivitäten sollten mit einem regelmässigen Kraft und wenn möglich auch Gleichgewichtstraining verbunden werden.

  1. JAMA 2020 Mar 24/31;323:1151

Filed Under: Uncategorized

Sollen Meniskusrisse operiert werden?

April 13, 2020 By Prof. Dr. Robert Theiler Leave a Comment

Newsletter 36

Hintergrund: Es gibt widersprüchliche Resultate, ob Meniskusrisse bei Kniearthrosen operiert werden sollen oder nicht.

Ziel dieser Studie war es, die Ergebnisse bezüglich Schmerz und Funktion nach 2 und 5 Jahren zu vergleichen.

Methode: In einer amerikanischen Studie ( METEOR) wurden 351 Patienten mit Kniearthrosen und Meniskusrissen untersucht. (Durchschnittsalter 58 Jahre) Während die eine Grupp konservativ mit Physiotherapie über 12 Wochen behandelt wurde (vorwiegend Kräftigungsübungen) wurde die 2 Gruppe operativ behandelt. Alle Probanden wurden anfänglich 3 monatlich und ab 2 Jahren 6 monatlich mit dem KOOS Fragebogen und dem WOMAC Fragebogen befragt.

Resultate: Der Verlauf von Schmerzen und Funktionseinschränkung verlief in beiden Gruppen gleich mit einer schnellen Besserung in den ersten 3 Monaten und einer langsameren Verbesserung bis zu 24 Monaten. Danach blieb der Verlauf bis zum 5. Beobachtungsjahr gleich. 30% der nicht-operativen Gruppe wechselten in die operative Gruppe. Bei der operativ behandelten Gruppe wurden nach 5 Jahren signifikant mehr Patienten mit einer Knieprothesenoperation behandelt (1).

Schlussfolgerung: Ein Meniskusriss sollte anfänglich nicht-operativ behandelt werden, da die Behandlungsergebnisse nach 2 und 5 Jahren praktisch identisch sind. Bei operativ behandelten Patienten kommt es möglicherweise zu einen rascheren Fortschreiten der Kniearthrose, sodass schneller eine Knietotalprothese eingesetzt werden muss.

  1. Katz JN et al. Five-year outcome of operative and nonoperative management of menisceal tear in persons older than forty-five years. Arthritis Rheumatol 2020 Feb;72:273

Filed Under: Uncategorized

Wie kann man Schmerzen bei Fingerarthrose behandeln?

Februar 19, 2020 By Prof. Dr. Robert Theiler Leave a Comment

Newsletter 35

Hintergrund: Die Behandlung einer Fingerarthrose mit zeitweiligen Schmerzepisoden gestaltet sich immer noch als schwierig. Es gibt bis heute keine kausale Therapie. Vorübergehende Linderung der Beschwerden können nichtsteroidale Antirheumatika, topische Antirheumatika Gel und zum Teil orthopädische Hilfsmittel wie bei der Daumengrundgelenksarthrose bringen. Bei den schmerzhaften Episoden scheinen auch Entzündungsprozesse eine Rolle zu spielen.

Studie: In einer 6 wöchigen Studie in Holland wurden 92 Patienten mit einer Fingerarthrose in 2 Gruppen aufgeteilt. Die Patienten mussten beim Einschluss mindestens 4 distale oder proximale schmerzhafte Fingergelenke aufweisen, wobei ein Gelenk geschwollen und gerötet sein musste. (Schmerzscore VAS > 30mm). Während die eine Gruppe täglich 10 mg Glucocorticoid erhielt, nahm die Vergleichsgruppe ein Placebopräparat ein. Nach 6 Wochen wurden die Dosen über 2 Wochen vollständig reduziert. Nach 6 Wochen hatten die Schmerzen in der Glucocorticoid Gruppe deutlich abgenommen (-21 Punkte) im Vergleich zur Placebogruppe (-5 Punkte). Nach 12 Wochen waren die Beschwerden jedoch in beiden Gruppen wieder gleich. Es gab auch keine Unterschied zwischen schmerzhaft geröteten und geschwollenen Gelenken (1).

Beurteilung: Diese Studie bestätigt, dass eine kurzfristige orale Glucocorticoid Behandlung nur eine vorübergehende Schmerzreduktion bringt ohne die Entzündungszeichen wesentlich zu beeinflussen. Es ist auch nicht klar, ob die Schmerzreduktion lokal oder zentral im Hirn als Schmerzmodulation wirkt.

Schlussfolgerung: Die orale Glucocorticoid Therapie eignet sich nur kurzzeitig um schmerzhafte Episoden einer Fingerarthrose zu behandeln. Sie düfte jedoch der oralen Therapie mit Chondroitinsulfat oder Glukosamin überlegen sein. Bei dieser Therapie gibt es keinerlei Evidenz, obwohl einige «Experten» immer wieder das Gegenteil behaupten.

  • Kroon FPB et al. Results of a 6 week treatment with 10 mg prednisolone in patients with hand osteoarthritis (HOPE): a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Lancet 2019 Nov 30;394: 1993

Filed Under: rheumatoide Arthritis

Soll ein Riss in der Rotatorenmanschette der Schulter operiert werden oder nicht?

Januar 17, 2020 By Prof. Dr. Robert Theiler 2 Comments

Hintergrund: Die bisher durchgeführten Studien zur optimalen Therapie eines vollständigen Risses in der Rotatorenmanschette der Schulter waren widersprüchlich. Während einige Studien zeigten, dass die operative Therapie der nicht-operativen Therapie überlegen sei, dokumentierten andere Studien die gleichen Resultate der nicht-operativen Therapie wie die der Operativen.

Methode: Die Daten eines grossen amerikanischen Registers (n=422) von Patienten, die wegen einem vollständigem Riss (MRI ) in der Rotatorenmanschette behandelt wurden, konnten retrospektiv ausgewertet werden.

Dabei wurden die Daten von operativen Patienten, die alle von 3 Schulterchirurgen behandelt wurden, den Daten von konservativ behandelten Patienten gegenüber gestellt. Die Patienten wurden systematisch dokumentiert mit 3 verschiedenen validierten «Patient reported Outcomes» (Nomalized Western Ontario Rotator Cuff Index (Worc) / American Shoulder and Elbow Surgeon Score (ASES), Single Assessment Numerical Evaluation (SANE). Die Nebendiagnosen wurden mit Functional Comorbidiy Index erfasst.

Die nicht-operativ behandelten Patienten wurden mit Antirheumatika, Physiotherapie und Infiltrationen mit Kortison behandelt.

Resultate: In der untersuchten operativen und nicht-operativen Gruppe befanden sich je 107 Patienten. Diese waren bezüglich Anzahl Nebendiagnosen und funktioneller Einschränkung vergleichbar. Das Durchschnittsalter betrug 61 Jahre. Bei den Nachkontrollen nach 6, 12 und 24 Monaten hatten sich beide Gruppen bezüglich Schmerz und Funktionseinschränkung deutlich verbessert. Die Verbesserung der gemessenen Parameter und die subjektive Einschätzung der Patienten waren aber in der operativen Gruppe signifikant besser als in der nicht-operativen Gruppe.

Worc 81.4 vs 68.8 /ASES 86.1 vs 76.2 / SANE 77.5 vs 66.9 und Schmerz 14.4 vs 27.8. Die jüngeren Patienten und Patienten, die zeitnah zum Riss operiert wurden, hatten ein besseres Resultat.

Schlussfolgerung: Obwohl es sich um eine retrospektive Auswertung handelt, scheinen Patienten mit einem vollständigen Riss der Rotatorenmanschette der Schulter von einer Operation zu profitieren. Leider geben die Autoren keine Angaben zu allfälligen Komplikationen in den behandelten Gruppe. Diese Studie zeigt jedoch auch, dass sich auch die nicht-operative Gruppe über 2 Jahre deutlich in der Funktion verbessert. Dies dürfte deshalb vor allem bei älteren Patienten eine Behandlungsoption sein (1).

 

  • Ramme AJ et al. Surgical versus non-surgical Management of Rotator Cuff Tears: A Matched Pair Analysis J Bone Surg Am2019 Oct 2;101: 1775-1782

 

Filed Under: Allgemein

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Prof. Dr. med. Theiler, ehemaliger Chefarzt der Rheumakliniken im Kantonsspital Aarau und Stadtspital Triemli, Zürich. Read More…

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